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An dieser Stelle wollen wir in unregelmäßigen Abständen Rezensionen von Lesenden für Lesende vorstellen. Die neuste Rezesion findet sich immer oben.

Der Markisenmann
von Jan Weiler

Was wissen wir schon über unsere Eltern? Meistens viel weniger, als wir denken. Und manchmal gar nichts. Die fünfzehnjährige Kim hat ihren Vater noch nie gesehen, als sie von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihm abgeschoben wird. Der fremde Mann erweist sich auf Anhieb nicht nur als ziemlich seltsam, sondern auch als der erfolgloseste Vertreter der Welt. Aber als sie ihm hilft, seine fürchterlichen Markisen im knallharten Haustürgeschäft zu verkaufen, verändert sich das Leben von Vater und Tochter für immer.

Ein Buch über das Erwachsenwerden und das Altern, über die Geheimnisse in unseren Familien, über Schuld und Verantwortung und das orange-gelbe Flimmern an Sommerabenden.Als Kim nach einem schlimmen Vorfall zu ihrem leiblichen, unbekannten Vater geschickt wird, plant sie sofort ihre Flucht von dort. Doch dann gibt sie dem ungewöhnlichen Mann eine Chance und ein außergewöhnlicher Sommer beginnt. Wer schon einmal im Ruhrgebiet war, erkennt vielleicht gewisse “Typen”. Mir ging es jedenfalls so. Erinnerungen an meine Kindheit wurden wach und ich hatte ein tolles Kopfkino. Ob beim kreativen Verkaufsgespräch, am Imbiss, in der Eisdiele, der Kneipe, beim Skatturnier oder auf dem Fußballplatz – ich war immer mittendrin. Wenn Kim von ihrem Vater erzählt, dann nennt sie ihn oft mit vollem Namen. Und doch erkennt man, wie sich die Beziehung zwischen Tochter und Vater entwickelt. – Der 70er Jahre Look des Covers sprang mir sofort ins Auge. Die Beschreibung tat ihr Übriges und ich habe es nicht bereut.

Claudias.Buecherwelt

Ich heiße nicht Miriam
von Majgull Axelsson

An ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam Guldberg von ihrer Familie einen silbernen Armreif geschenkt, in den ihr Name eingraviert ist. Beim Anblick entfährt ihr der Satz: »Ich heiße nicht Miriam.« Niemand in ihrer Familie kennt die Wahrheit über sie. Niemand ahnt etwas von ihren Wurzeln. Doch an diesem Tag lassen sich die Erinnerungen nicht länger zurückhalten. Zum ersten Mal in ihrem Leben erzählt sie davon, wie sie als Roma unter den Nazis lebte, im KZ war und als vermeintliche Jüdin nach Schweden kam.

Eine Geschichte, die mich berührte, betroffen machte, mir ein zeitweise schreckliches Kopfkino bescherte und die ich dennoch kaum aus der Hand legen wollte. Beim Spaziergang mit ihrer Enkelin kehren Miriams Gedanken und Erinnerungen zu ihrer Vergangenheit zurück. Erinnerungen, die sie lange nicht zugelassen hat. Und das Gespräch, das Zulassen der Erinnerungen, sind etwas Neues für sie. Aber auch für die Enkelin Camilla, eine erwachsene junge Frau, ist es nicht einfach. einerseits möchte sie etwas über die Vergangenheit der Großmutter erfahren. Andererseits sind diese Schilderungen schwer zu ertragen. Besonders, wenn es Erinnerungen einer nahestehenden Person sind. Erinnerungen an die verlorene Familie, an einen Transport im Bahnwagon, an Konzentrations- und Arbeitslager, Kälte, Hunger, Gewalt. An Experimente an Menschen jeden Alters, die sogenannten Meerschweinchen und den allgegenwärtigen Tod. An einen Neuanfang in Schweden unter falscher Identität, weil sie auch dort als Roma nicht erwünscht war. Ein Leben voller Beherrschtheit, Angepasstheit, Vortäuschen und Lügen, weil sie in Frieden leben wollte. Und das Glück immer in Gefahr, wenn die Wahrheit herauskäme.

Dieses Buch erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

Claudias.Buecherwelt

 

Der Buchspazierer
von Carsten Henn

„Es sind besondere Kunden, denen der Buchhändler Carl Christian Kollhoff ihre bestellten Bücher nach Hause bringt, abends nach Geschäftsschluss, auf seinem Spaziergang durch die pittoresken Gassen der Stadt. Denn diese Menschen sind für ihn fast wie Freunde, und er ist ihre wichtigste Verbindung zur Welt. Als Kollhoff überraschend seine Anstellung verliert, bedarf es der Macht der Bücher und eines neunjährigen Mädchens, damit sie alle, auch Kollhoff selbst, den Mut finden, aufeinander zuzugehen … „

Carl liebt Bücher, seine gewohnten Gänge wenn er die Bücher austrägt, seinen gewohnten Tagesablauf. Dann platzt Schascha in sein Leben und wirbelt alles durcheinander, auch wenn Carl das nicht möchte. Die Kombination von Neugier, Erfahrung und Beobachtung führt zu einem schönen Austausch. Schascha verhilft Carl zu einer neuen Sichtweise auf seine Kunden und ihre Bücher. Das Verhältnis zu ihnen ändert sich, so wie die Kunden selbst, so wie Carl. Bis ein Vorfall alles in Frage stellt…
Die Geschichte mag für manchen irgendwann zu viel “Heile Welt” mit sich bringen. Doch für mich war es eine Geschichte zum “drin einhüllen” wie in eine kuschelige Decke und wohlfühlen, Herzenswärme spüren. Und ein Anreiz, hinter die Fassaden zu schauen.

Claudias.Buecherwelt

 

KANT und der sechste Winter
von Marcel Häußler

“Kant will gerade den Weihnachtsbraten in den Ofen schieben, als er zu einem Tatort gerufen wird. Ein Mann liegt tot im Schnee. Alles würde auf einen Unfall auf vereister Fahrbahn hindeuten – wäre da nicht die seltsame Zeugenaussage einer Anwohnerin: Sie will gesehen haben, wie die Fahrerin des Unfallwagens den bereits am Boden liegenden Mann erwürgte, ehe sie die Flucht ergriff. Kant und das Team der Münchner Mordkommission nehmen die Ermittlungen auf. Dabei stoßen sie immer wieder auf ein kleines Dorf im Umland. Offenbar hüten die Einwohner von Schelfing mehr als nur ein dunkles Geheimnis …”

Der erste Fall für Hauptkommissar Kant und sein Team von der Münchner Mordkommission.

Ein Krimi, der ohne Blutbad auskommt. Der einen durch die Handlung fesselt. Ein Ermittlerteam mit unterschiedlichen Charakteren und ihren Eigenheiten. Auch wenn HK Kant die Titelfigur ist, so folgt der Leser abwechselnd den einzelnen Ermittlern und lernt sie kennen. Eine sehr gute Voraussetzung für weitere Fälle. Auch dem Täter konnte man folgen und raten, wer es sein könnte. Stück für Stück fügte sich ein ganzes Bild zusammen, wobei auch falsche Fährten nicht fehlen. Marcel Häußler hat seine Protagonisten wunderbar vielfältig angelegt. Bei den Befragungen der Dörfler kann man den so genannten “Dorfklüngel” förmlich spüren. Die einzelnen Beweggründe und Schicksale nachvollziehen. Ich hoffe sehr, dass HK Kant und sein Team erneut ermitteln.

Claudias.Buecherwelt

 

 

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